anders und gleich - Nur Respekt Wirkt
   
 
Die Preisträgerinnen
2015 Gudrun Fertig und Manuela Kay

Am 14. Juni 2015 wurde erstmals der Augspurg-Heymann-Preis für couragierte Lesben an ein „dynamisches Duo“ verliehen. Die Berliner Verlegerinnen und Journalistinnen Gudrun Fertig und Manuela Kay haben sich seit vielen Jahren als einzelne Akteurinnen und besonders mit der Geschäftsführung des Special Media SDL GmbH Verlages verdient gemacht. Vorbildlich erfüllen sie alle Ziele des Preises: sie tragen maßgeblich zur Sichtbarkeit von Lesben im öffentlichen Raum bei – ihre Arbeit wirkt der Diskriminierung von Lesben, Schwulen und anderen Minderheiten gezielt entgegen – lesbisch lebende Frauen, vor allem in ländlichen Räumen werden ermutigt, ihre Identität frei und offen zu leben – beide Preisträgerinnen leben ihr Lesbischsein ganz selbstverständlich.

Sie sind mutige Unternehmerinnen, die trotz der negativen Trends der Printmedienbranche 2011 den Schritt in die Unabhängigkeit wagten und Berlins größtes queeres Stadtmagazin, Siegessäule, Deutschlands einziges bundesweit verkaufte Magazin für Lesben, L-MAG, sowie das Szene-Branchenbuch für Berlin, Kompass, und den Pocket-Guide für Berlin, OUT, übernahmen. Der von ihnen gegründete Special Media SDL GmbH Verlag beschäftigt heute 25 Mitarbeiter_innen und wird von einem Netzwerk aus über 100 freien Journalist_innen und Fotograf_innen mitgetragen. Unermüdlich setzen sich beide Verlegerinnen für journalistische Inhalte ein.

Mit ihrer Arbeit und mit Herzblut, auch weit über den Verlag hinaus, engagieren sich Gudrun Fertig und Manuela Kay professionell und kontinuierlich für die Belange von Lesben, Schwulen und Transgendern, setzen Maßstäbe und geben wichtige Impulse in die Gesellschaft. Dafür wurden sie mit dem Augspurg-Heymann-Preis geehrt.

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2014 Dr. Maria Beckermann

Im Bochumer Jahrhunderthaus endeten am 18. Mai 2014 die Hirschfeld-Tage NRW mit der Verleihung des Preises für couragierte Lesben, der nach Anita Augspurg (1857-1943) und Lida Gustava Heymann (1868-1943) benannt ist. Vor gut 150 Gästen nahm Dr. Maria Beckermann die Figurine entgegen. Durch ihr langjähriges Engagement im Bereich der Frauengesundheit und ihre Expertise zum Themenfeld Kinderwunsch lesbischer Frauen machte sich die Vorsitzende des Vereins AK Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft um den Preis verdient.

Damit sind nun nach sechs Wochen die Hirschfeld-Tage zu Ende, die für die Preisverleihung umbenannt wurden in "Elberskirchen-Hirschfeld-Wolff-Tage". Mit 94 Veranstaltungen von 90 Kooperationspartner_innen in 16 Städten konnten weit über 1.000 Menschen erreicht werden. Bei den Medienpartner_innen phenomenelle und queer finden sich viele Presseberichte zu einzelnen Veranstaltungen.

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2013 Prof. Dr. Susanne Baer

Die LAG Lesben in NRW ehrt Prof. Dr. Susanne Baer als eine Wissenschaftlerin und Bundesverfassungsrichterin, die sich engagiert für Gleichstellung und Antidiskriminierung von lesbischen Frauen in der Rechtswissenschaft einsetzt. Dabei reicht ihr Verständnis darüber, was als Unrecht erfahren wird, weit über das Juristische hinaus. Sie hat ein differenziertes Verständnis für Fragen der Gleichberechtigung, indem sie darin vor allem komplexe Machtverhältnisse offenlegt. Ein konsequenter Rückbezug auf die Grund- und Menschenrechte prägt ihre wissenschaftliche und juristische Arbeit.

2002 erhielt Susanne Baer einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität in Berlin. Dort leitete sie von 2003 bis 2010 das Gender Kompetenz Zentrum, das Strategien für gleichstellungspolitische Maßnahmen der Bundesregierung entwickelte. Susanne Baer setzt sich insbesondere für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen ein. Sie war im April 2010 bei der Bundestagsanhörung zur Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes eine der Sachverständigen. Sie setzte sich dafür ein, dass der Gleichheitsgrundsatz des Artikels auf die sexuelle Identität ausgeweitet wird. Ihre Argumentation formulierte sie folgendermaßen: "Die Politik kann hier zeigen, dass sie nicht der privaten Moral folgt, sondern für das Gemeinwohl die öffentliche Moral schützt, Menschen nach ihrer Façon selig werden zu lassen." Susanne Baer ist in ihrer Funktion als Bundesverfassungsrichterin eine öffentliche Person. Ihre lesbische Identität lebt sie in dem Kontext selbstverständlich und offen, was zu einer wahrnehmbaren Sichtbarkeit von Lesben in unserer Gesellschaft führt.

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2012 Dr. Inge von Bönninghausen

Die Journalistin und langjährige Lobbyistin Inge von Bönninghausen zeichnen wir für ihre streitbare frauenpolitische Arbeit mit dem Augspurg-Heymann-Preis aus.

Inge von Bönninghausen hat immer Bündnisse von und für Frauen gesucht und wo sie sie nicht fand, zielstrebig gegründet, sowohl regional, national als auch international. Als kluge Begleiterin des Feminismus und der neuen Frauenbewegung hat sie frei von Klischees über Lesben berichtet.

1991 sorgte Inge von Bönninghausens öffentliches Bekenntnis zur eigenen lesbischen Identität in ihrer WDR-Fernsehreihe Frauen-Fragen (später frauTV) für ähnliche Dankbarkeit unter den Zuschauerinnen. „Ich kenne eine Lesbe – und Sie?“ hieß die Sendung, bei der sie sich gemeinsam mit Interviewpartnerin Viola Roggenkamp gleich mit den eröffnenden Worten outete. Inge von Bönninghausen hat mutig immer wieder Themen gesendet, die die herrschende Ignoranz stören und unliebsame Wahrheiten in den öffentlichen Diskurs einbauen. Die Mitbegründerin des Journalistinnenbundes, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Vorstandsfrau der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung und der Lobby für Mädchen will Diskriminierung, Vergewaltigung und Verstümmelung von Frauen und Lesben weltweit bis heute nicht verschweigen. Und sie macht sich für andere Medienfrauen stark - es ist mehr als Zeit für die 30%-Frauenquote in journalistischen Führungspositionen, für die Inge von Bönninghausen eintritt!

„Ohne Inge von Bönninghausen wäre nichts so gut, wie es jetzt immerhin ist“, sagte Ines Pohl in ihrer Laudatio. „Wir alle brauchen Frauen wie sie, die nicht lockerlassen, die ihren Mut und Optimismus nie verlieren.“ Und das stimmt ganz sicher – in der Medienlandschaft ebenso wie in der Politik.

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2011 Tanja Walther-Ahrens

Im Jahr der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ehrten wir die ehemalige Bundesliga-Fußballspielerin Tanja Walther-Ahrens aus Berlin für ihr engagiertes Eintreten gegen Homophobie im Fußballsport.
In der heutigen Zeit gibt es erst wenige lesbische Frauen, die sich öffentlich sichtbar und mit Stolz zu ihrem Lesbischsein bekennen - sei es in ihrem Privatleben, in der Politik oder auch durch ihr Wirken in Kultur, Musik, Fernsehen oder auf dem Sportplatz.

Tanja Walther-Ahrens hat als Stürmerin bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam in der Bundesliga gespielt. Heute ist sie seit über 10 Jahren aktiv im SV Seitenwechsel, dem Frauen/Lesben Sportverein Berlin e. V. mit gut 800 Mitfrauen, wovon 100 Fußballspielen. Die Stürmerin hat erkannt, dass Fußball ein Abbild der Gesellschaft ist. „Wenn wir hier etwas ändern können, kann man vielleicht auch in der Gesellschaft etwas ändern“, sagt sie.

Die Sportwissenschaftlerin und Lehrerin engagiert sich auch über den Verein hinaus: Sie hält Vorträge zum Thema Homophobie im Sport, besucht Konferenzen, ist Abgesandte der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF). Als solche hält sie auch den Kontakt zum DFB. Dessen Präsident Dr. Theo Zwanziger hat bei der Verleihung der Kompassnadel 2009 des Schwulen Netzwerks NRW gesagt, dass er alles über Homophobie im Fußball von Tanja Walther-Ahrens weiß.

Weil Mädchensport insgesamt zu kurz kommt, hat Walther-Ahrens außerdem in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Friedrichshain fünf Fußball-AGs ins Leben gerufen. Im Februar 2011 ist ihr Buch „Seitenwechsel - Coming out im Fußball“ im Gütersloher Verlagshaus erschienen.

Bereits 2008 erhielt Tanja Walther-Ahrens zusammen mit Philip Lahm und Dr. Theo Zwanziger den TOLERANTIA-Preis.

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 2010 Maren Kroymann
 

Die stolze und würdige Preisträgerin 2010 ist die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Maren Kroymann. Die LAG Lesben in NRW ehrt Maren Kroymann dafür, dass sie zu mehr Sichtbarkeit von Lesben im öffentlichen Raum beiträgt, der Diskriminierung von Lesben und anderen Minderheiten entgegenwirkt und lesbisch lebenden Frauen jeden Alters Mut macht, ihre lesbische Identität frei und offen zu leben.

Mit ihrem frühen Coming out und ihrer Selbstverständlichkeit dient Maren Kroymann anderen als Vorbild! In ihren Rollen verkörpert sie die resolute Mutter genauso wie die unkonventionelle Sozialarbeiterin, stürmische Liebhaberin oder die durchgreifende Chefin, also die ganz „normale“ Bandbreite lesbisch oder heterosexuell lebender Frauen.

Als „Nachtschwester Kroymann“ war sie richtig böse, hat manche Tabus - vor allem auch heterosexistische - gebrochen und ihre Finger in gesellschaftspolitische Wunden gelegt. Bei alledem ist sie immer die sympathische Lesbe von Nebenan, die ihre Prominenz nutzt, um sich für die Community zu engagieren.

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2009 Mirjam Müntefering
 

Die LAG Lesben in NRW ehrt Autorin Mirjam Müntefering aus Hattingen als erste Frau mit dem Augspurg-Heymann-Preis für ihr engagiertes und erfolgreiches Schreiben. Stephanie Mayfield in ihrer Laudatio: „Wenn wir mal ehrlich sind: ein sicherer Weg aus der Sackgasse der zwischenmenschlichen Unverständlichkeiten ist ein Buch von Mirjam Müntefering!

Wir fiebern, leiden, lieben, scheitern und lachen auch wieder mit Mirjams Charakteren, die uns an unsere eigenen Freundinnen erinnern. Wir gewinnen sie lieb, sie werden zu unseren Freundinnen und wir setzen uns mit ihnen auseinander. Wir beobachten ihre Entwicklung, wir vergleichen uns mit ihnen und wir erkennen uns wieder. Dabei schafft Mirjam Eines mit ihren Büchern: Wir identifizieren uns mit Charakteren, von denen wir eben noch glaubten, dass sie Schuld an der Sackgasse waren. Wir entwickeln Verständnis für die Lage Anderer und gerade das ist es, was Mirjam für uns ausmacht:

Die Liebe zu den Frauen, ihren Gemeinsamkeiten, aber auch individuellen Eigenheiten und ihren Schrullen lässt uns versöhnlicher sein. Das Verständnis für das Leben der Mitmenschen durch die entspannte und augenzwinkernde Atmosphäre machen ihre Bücher zu einem philosophischen Hochgenuss.

Sie macht es uns ganz schön schwer, andere zu verurteilen oder sich selbst nicht zu mögen – denn die Akzeptanz von Fehlern und das Witzige, das in ihnen steckt eröffnet neue Perspektiven auf die Welt.“

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